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Hohes Shiller-KGV als Warnung geeignet?
Das Shiller-KGV funkt eine Warnung an die Marktteilnehmer. Der aktuelle Wert beträgt 40,6. Damit wird beinahe das Allzeithoch aus dem Jahr 2000 (44) erreicht. Das Shiller-KGV wird von Marktteilnehmern als eine der wichtigsten Messlatten für den Aktienmarkt benutzt und immer wieder auch dargestellt, meist im bearischen Sinne. Nobelpreisträger Robert Shiller führte das Shiller-KGV (KGV10) als Bewertungskriterium für den S&P 500 ein. Je höher das Kurs-Gewinn-Verhältnis, desto weniger Luft bleibt für den Anstieg der Aktienindizes in den Folgejahren.
Das Shiller-KGV wird berechnet, indem man den aktuellen Kurs des S&P 500 durch den Durchschnittwert der inflationsbereinigten Gewinne der vergangenen 10 Jahre teilt. Das Shiller-KGV notiert nur wenige Punkte unterhalb des 2000er-Hochs.

40,6 also. Aber wie kann es sein, dass das Shiller-KGV derart hoch notiert? Wichtige Einzelwerte, die ein erhebliches Gewicht im S&P 500 haben, weisen niedrigere KGVs auf. Amazons KGV liegt bei 20. Alphabet, Meta und Microsoft notieren im mittleren 20er-Bereich, Apple weist ein KGV von Mitte 30 auf. Die Hyperscaler kommen nicht an das hohe Bewertungsniveau des Shiller-KGV heran.
Der 10-Jahres-Durchschnitt wurde von Robert Shiller ausgewählt, um die Schwankungen des Aktienmarktes abzumildern. Dies scheint zunächst ein guter Ansatz zu sein.
Aber ein solcher Durchschnitt hat einen wesentlichen Nachteil: Er „schleppt“ antiquierte Gewinnzahlen - angefangen mit dem Jahr 2016 - mit sich herum. Damals erreichte der durchschnittliche S&P 500 Gewinn 40% des heutigen Niveaus. Die Gewinne haben sich seither mehr als verdoppelt. Man denke an die genannten Hyperscaler, die hohe Gewinne ausweisen. Gleichzeitig sind diese Werte im S&P 500 aufgrund ihrer Marktkapitalisierung hoch gewichtet. Wenn frühere, schwache Gewinne in die Berechnung mit einbezogen werden, dann weist der Nenner einen geringen Wert auf. Dies lässt das KGV nach oben schnellen. Gewinne von 2016 mit dem aktuellen Wert des S&P 500 ins Verhältnis zu setzen, ergibt keinen Sinn. Wenn man nach einer Lösung dieses Problems sucht, könnte ein 5-Jahre-Durchschnitt (KGV 5) helfen. Das KGV 5 liegt aktuell bei 34,4. Eine solche Zahl kommt der Realität schon näher, erscheint aber immer noch zu hoch.

Oder man stellt nicht den aktuellen Wert des S&P 500 in den Zähler, sondern den Durchschnittswert des S&P 500 der vergangenen 10 Jahre und teilt diesen durch den Durchschnittswert der Gewinne der vergangenen 10 Jahre. Dieser ergibt ein KGV von 22,2. Das klingt näher an der Wahrheit.
Häufig liefert die Analyse von Rohdaten einen Ausweg. Historische KGV („Trailing-KGV“), zurückverfolgt bis zum Jahr 1900 helfen. Dieses KGV basiert auf den Unternehmensgewinnen der letzten 12 Monate. Klar, tauchen die Gewinne so stark ab wie in der Finanzkrise, dann schießt das KGV unkontrolliert nach oben. Aber dies ist Teil der Marktkräfte. Das historische KGV oszilliert zwischen 5 und 45, wenn die Finanzkrise außen vor bleibt.

Aktuell beträgt das historische KGV 25,2. Das Shiller-KGV notiert ganze 15 Punkte höher. In der Finanzkrise sackte das historische KGV bis auf einen Wert von 13 ab. In einer Krisensituation bedeutet es schon einen Unterschied, ob das KGV von 40 oder von 25 auf ein Krisentief wie beispielsweise 13 fällt.
Das Shiller-KGV weist mit 40,6 derzeit einen Wert aus, der rechnerisch nicht zu beanstanden ist. Aber aufgrund des „Mitschleppens“ alter Zahlen erscheint es nicht zur Bewertung des S&P 500 geeignet. Häufig wird das Shiller-KGV als Todschlagargument für einen beginnenden Bärenmarkt genutzt. Kürzere Durchschnitte oder das historische („Traling“-KGV) liegen näher an der Realität und sollten nicht nur bei Einzelaktien, sondern auch für den S&P 500 stärker angewendet werden.
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